Österreichische Justiz ermittelt wegen Nazi-Liederbuchs

Die österreichische Justiz ermittelt im zweiten Fall eines Nazi-Liederbuchs, in den erneut auch die rechtspopulistische Regierungspartei FPÖ verwickelt ist. Die Staatsanwaltschaft Wien leitete am Mittwoch ein Verfahren ein

Die österreichische Justiz ermittelt im zweiten Fall eines Nazi-Liederbuchs, in den erneut auch die rechtspopulistische Regierungspartei FPÖ verwickelt ist. Die Staatsanwaltschaft Wien leitete am Mittwoch ein Verfahren ein. Das Wochenmagazin "Falter" hatte am Dienstag berichtet, dass die schlagende Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia ein Liederbuch mit antisemitischen Texten benutze. Erst vor drei Wochen war der österreichische FPÖ-Politiker Udo Landbauer wegen eines Buchs mit Nazi-Liedern einer anderen Burschenschaft zurückgetreten.

Vorsitzender der Burschenschaft Bruna Sudetia ist Herwig Götschober, ein enger Mitarbeiter des FPÖ-Verkehrsministers Norbert Hofer. Götschober ist im Verkehrsministerium zuständig für soziale Medien, außerdem ist er FPÖ-Bezirksrat in Wien-Leopoldstadt. Die Burschenschaft Bruna Sudetia wies die Vorwürfe zurück.

Die Textsammlung enthält den Angaben zufolge unter anderem einen judenfeindlichen Liedtext, den der "Falter" auch im Januar im Fall des Liederbuchs von Landbauers Burschenschaft Germania aufgedeckt hatte. Weitere Lieder stammen vom Hans Baumann, der Lieder für die Hitler-Jugend und den Bund Deutscher Mädel schrieb und komponierte.

Aus dem Verkehrsministerium hieß es dazu am Dienstag, Götschober kenne das Liederbuch nicht. Auch Landbauer hatte angegeben, von dem Liedgut nichts gewusst zu haben und eine "Medienhatz" gegen ihn beklagt. Er war Vize-Vorsitzender der Burschenschaft Germania.

Die FPÖ von Vizekanzler Heinz-Christian Strache regiert seit dem vergangenen Dezember in einer Koalition mit der rechtskonservativen Volkspartei (ÖVP) von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Von den 51 FPÖ-Abgeordneten sind mehr als ein Drittel Mitglieder von Burschenschaften. Auch bei den FPÖ-Kabinettsmitgliedern gibt es einen hohen Anteil von Burschenschaftlern.