Ölgiganten verdienen wieder Milliarden


Hurrikan Harvey und andere Stürme wüteten durch Amerika, legten die Bohrinseln im Golf von Mexiko oder Raffinerien in Texas lahm. Trotzdem verkündete der Ölkonzern Exxon Mobil am Freitag beste Zahlen. Der Umsatz stieg im dritten Quartal 2017 um 14 Prozent auf 66 Milliarden Dollar, der Gewinn stieg um rund die Hälfte auf vier Milliarden Dollar. „Einen Schritt vorwärts“ bezeichnete Exxon-Chef Darren Woods recht bescheiden die Rekordergebnisse.

Auch bei Konkurrent Chevron stieg der Umsatz um fünf Milliarden auf 34 Milliarden Dollar, der Gewinn schnellte um mehr als 50 Prozent auf rund zwei Milliarden Dollar nach oben. „Der Cashflow steht an einem Wendepunkt: Die Produktion von Öl und Erdgas steigt, während die Kapitalinvestitionen fallen“, sagte Vorstandschef John Watson.


Bei der französischen Total gab es am Freitag ein Plus von 29 Prozent, wobei der Konzern auch von Sparmaßnahmen profitieren konnte. Der italienischen Eni gelang im dritten Quartal der Sprung die Gewinnzone.

Nach drei Jahren Stillstand sind die Energieriesen wieder da. 2014 fielen die Ölpreise in den Keller, viele teure Projekte rentierten sich nicht mehr. Exxon & Co steuerten gegen, aufwendige und riskante Projekte wie die Bohrungen in der Arktis stellte beispielsweise Shell 2015 ein. „Diese Unternehmen kürzen ohne Unterlass die Kosten, um selbst in Zeiten niedriger Ölpreise Gewinn zu erzielen“, sagt Analyst Brian Youngberg von Edward Jones. „Die Zeiten von großen, teuren Projekten sind vorbei“.


Nach Berechnung des Finanzdienstes Fact Set werden die fünf größten Energiekonzerne – Exxon Mobil, Chevron, Total, BP und Royal Dutch Shell – in diesem Jahr einen Gesamtgewinn von 50 Milliarden Dollar einheimsen. Das gelang ihnen das letzte Mal 2014, als der Ölpreis je Fass bei 110 Dollar lag – heute ist der Ölpreis nur noch gut halb so hoch.

Bei den Rekordgewinnen hilft auch eine starke Nachfrage nach Benzin, Diesel und anderen raffinierten Produkten, dem sogenannten Downstream-Geschäft der Konzerne. Niedrige Rohstoffpreise und wachsende Wirtschaft treiben den Absatz. Was auch hilft: Der Ölpreis lag in dem Zeitraum von Juli bis September um 14 Prozent höher als im Vorjahr.

KONTEXT

Die größten Öl- und Gaskonzerne der Welt

Platz 9

Petrobras, Brasilien

Jahresumsatz 2016: 81,41 Milliarden US-Dollar

Platz 8

Gazprom, Russland

Jahresumsatz: 99,73 Milliarden Dollar

Platz 7

Chevron (USA)

Jahresumsatz: 110,22 Milliarden Dollar

Platz 6

Total (Frankreich)

Jahresumsatz: 149,74 Milliarden Dollar

Platz 5

BP (Großbritannien)

Jahresumsatz: 183,01 Milliarden Dollar

Platz 4

Exxon Mobil (USA)

Jahresumsatz: 218,61 Milliarden Dollar

Platz 3

PetroChina (China)

Umsatz 2016: 232,83 Milliarden Dollar

Platz 2

Royal Dutch Shell (Großbritannien)

Jahresumsatz: 233,59 Milliarden Dollar

Platz 1

Sinopec (China)

Jahresumsatz: 278,04 Milliarden Dollar

Quelle

Unternehmensangaben/Statista