Öl kostet so viel wie zuletzt 2014

Regierungsdaten zu US-Ölreserven haben die Ölpreise auf ihren höchsten Stand seit 2014 steigen lassen. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostet zeitweise mehr als 71 Dollar. Das könnte zu mehr Fracking führen.

Die Ölpreise sind am Donnerstag im frühen Handel weiter gestiegen. Damit erreichten sie ihren höchsten Stand seit Ende 2014. Ein Barrel (je 159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März kostete zuletzt 70,78 US-Dollar. Zeitweise notierte ein Fass bei 71,20 Dollar. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 39 Cent auf 66,31 Dollar.

Grund für den jüngsten Anstieg waren Daten zu den US-Ölreserven. Am Mittwoch gab die US-Regierung bekannt, dass sie in der vergangenen Woche um 1,1 Millionen Barrel auf 411,6 Barrel gefallen sind. Das ist die zehnte Woche in Folge, in der die amerikanischen Öl-Reserven sinken. Und wenn ein Gut knapp ist, steigt gewöhnlich sein Preis.

Schon seit Monaten geht es mit den Ölpreisen auf dem Weltmarkt tendenziell aufwärts. Aber: Das könnte sich womöglich bald wieder ändern. Denn je höher die Preise, desto eher lohnt sich für Ölfirmen in den USA die umstrittene wie kostspielige Fracking-Methode. Und gibt es mehr Fracking, steigt die Fördermenge an Schieferöl. Damit spricht einiges dafür, dass sich am Ölmarkt eine Entwicklung wiederholen könnte, die schon vor Jahren zu beobachten war. Ein Fracking-Boom in den USA hatte den Weltmarkt überschwemmt. Daraufhin folgte ein massiver Absturz der Ölpreise. Verbraucher konnten den Trend bei Heizöl und Kraftstoff deutlich im Preis ablesen.


Schon jetzt läuft die Förderung in den USA auf Hochtouren. Laut jüngsten Daten der US-Regierung lag die Menge zuletzt bei durchschnittlich 9,75 Millionen Barrel pro Tag und damit nur knapp unter einem Rekordhoch. Die amerikanische Firma Baker Hughes, ein Spezialist für Ausrüstungen für die Ölindustrie, zählte landesweit insgesamt 747 aktive Ölbohrlöcher. Zum Vergleich: Vor etwa einem Jahr waren es noch etwa 200 weniger gewesen.

„Hauptgrund für den jüngsten Anstieg der Fördermenge an Rohöl in den USA ist das Fracking von Schieferöl“, erklärt Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank die Entwicklung. Beim aktuellen Preisniveau wird die vergleichsweise teure Fracking-Methode zunehmend rentabel. Schon spricht die Internationale Energieagentur (IEA) von einem „explosionsartigen“ Anstieg der amerikanischen Fördermenge.

In seinem jüngsten Monatsbericht geht der Energie-Interessenverband wichtiger Industrieländer davon aus, dass das US-Produktionsvolumen in diesem Jahr einen neuen Höchstwert von durchschnittlich 10 Millionen Barrel täglich überschreiten wird. Damit würden die USA zum zweitgrößten Ölförderer der Welt nach Russland aufsteigen.

Experten sehen einige Parallelen zu 2014

Es zeigen sich Parallelen zum Jahr 2014, als Schlagzeilen wie „Fracking: USA produzieren so viel Öl wie noch nie“ für Wirbel sorgten. Damals hatten Ölpreise über der Marke von 100 Dollar einen Fracking-Boom in den USA befeuert. Das Angebot auf dem Weltmarkt war höher als die Nachfrage, und es kam zu einem Einbruch der Ölpreise.

In der Spitze fielen die Ölpreise Anfang 2016 zeitweise unter 30 Dollar pro Fass. Was viele Verbraucher damals kaum für möglich hielten: Das Tanken an der Zapfsäule und das Befüllen der Heizöltanks wurde zum Teil deutlich günstiger. Vor genau zwei Jahren - im Januar 2016 - mussten für 100 Liter Heizöl nur 38 Euro gezahlt werden. Nach Angaben des Internet-Vergleichsportals Verivox kostet dieselbe Menge derzeit rund 62 Euro.


Anders als in der Situation der Jahre 2014 bis 2016 hat sich der Ölmarkt inzwischen aber grundlegend geändert: Die Mitgliedstaaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und andere wichtige Förderer - darunter Russland - haben sich auf eine Kürzung der Fördermenge geeinigt. Halten sie sich an den Beschluss - und davon gehen Beobachter momentan aus - dann können sie einen Preissturz wie 2014 verhindern. Rohstoffexperte Fritsch will jedoch einen erneuten heftigen Rückgang nicht ausschließen. Denn die einzelnen Kartell-Mitglieder haben einen Anreiz, sich nicht an ihre Absprache zu halten, wenn sie kurzfristig viel Öl absetzen möchten. Fritsch zufolge hängt viel von künftigen Entscheidungen des Kartells ab: „Wenn die Opec aus ihrer derzeitigen Förderbegrenzung unkontrolliert aussteigen würde, wäre vor dem Hintergrund der steigenden US-Fördermenge ein Einbruch der Ölpreise möglich.“

Hier geht es zur Seite mit dem Brent-Preis, hier zum WTI-Kurs.