Ökonomen-Stimmen zur Inflation in Deutschland

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Preisauftrieb in Deutschland hat sich im Juli erneut etwas abgeschwächt. Die Verbraucherpreise stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden in einer ersten Schätzung mitteilte. Im Juni hatte die Inflationsrate noch bei 7,6 Prozent gelegen und im Mai bei 7,9 Prozent. Stimmen von Ökonomen dazu im Überblick:

Ulrich Kater, Chefvolkswirt Dekabank:

"Vor dem Winter wird es kaum Entspannung bei der Inflation geben. Die russischen Liefereinschränkungen haben den Erdgaspreis nochmals angehoben. Die geplante Erdgas-Umlage wird zwar in den kommenden Monaten die Inflation weiter leicht erhöhen. Damit werden aber nur die ohnehin noch zu erwartenden Überwälzungen der hohen Erdgaspreise in Deutschland etwas vorgezogen. Dies schafft bessere Voraussetzungen dafür, dass sich die Inflation im kommenden Jahr beruhigt."

Thomas Gitzel, Chefökonom VP-Bank:

"Der Druck im Inflationskessel bleibt hoch. Auch wenn die Inflationsrate den zweiten Monat in Folge fällt, kann bislang noch keine Entwarnung gegeben werden. Der positive Effekt von Tankrabatt und des 9-Euro-Ticket erfährt diesen Monat aufgrund weiter steigender Lebensmittelpreise ein Gegengewicht. Die Daten aus den Bundesländern zeigen, dass Verbrauchsgüter, Nahrungsmittel und Wohnkosten zu den Hauptpreistreibern gehören."

Marco Wagner, Volkswirt Commerzbank:

"Die Inflationsrate in Deutschland ist im Juli erwartungsgemäß leicht von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent zurückgegangen. Dämpfend wirkt das Wegfallen der EEG-Umlage. Allerdings dürfte die Teuerungsrate im September wieder einen Sprung nach oben machen, wenn das 9-Euro-Ticket und der Tankrabatt auslaufen. Der unterliegende Inflationsdruck bleibt angesichts weiter bestehender Material- und Lieferengpässe hoch. Nach den heute veröffentlichten Daten dürfte die Inflationsrate für den Euroraum im Juli weiter leicht auf 8,7 Prozent gestiegen sein."

Ralf Umlauf, Volkswirt Landesbank Hessen-Thüringen:

"In Deutschland hat der Preisauftrieb in der EU-harmonisierten Abgrenzung nicht weiter nachgelassen, obwohl es zu einem fortgesetzten Rückgang der Benzinpreise gekommen ist. Die Überwälzung der Gaspreissteigerungen sorgt für ein Gegengewicht. Auch mit Blick auf die morgen anstehende Schnellschätzung der EWU-Teuerung zeichnet sich keine Entspannung bei der Preisentwicklung ab. Ein neues Rekordhoch ist wahrscheinlich, sodass die Europäische Zentralbank unter Druck bleibt, die Leitzinsen weiter anzuheben, obwohl sich das konjunkturelle Umfeld zu trüben beginnt."

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