Ökonomen-Stimmen zu den Beschlüssen der US-Notenbank

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die US-Notenbank Fed hat am Dienstag überraschend und außerplanmäßig den Leitzins gesenkt. Er wurde um 0,50 Prozentpunkte auf eine Spanne von 1,00 bis 1,25 Prozent reduziert. Die Fed begründete die Entscheidung mit der Ausbreitung des Coronavirus, der die Wirtschaft belaste.

Uwe Burkert, Chefvolkswirt Landesbank Baden-Württemberg (LBBW):

"Beides - ein außerplanmäßiger Beschluss und eine Veränderung um 50 Basispunkte - gab es zuletzt in der Finanzkrise vor gut 10 Jahren. Die US-Währungshüter hoffen unseres Erachtens darauf, die Märkte mit diesem entschiedenen Schritt nachhaltiger zu beruhigen, so dass keine weitere Zinsschritte notwendig werden, denn die US-Wirtschaft befindet sich laut Einschätzung der Fed weiterhin in guter Verfassung. Angesichts der Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Corona-Ausbreitung besteht jedoch unseres Erachtens eine signifikante Wahrscheinlichkeit, dass der heutige Zinsschritt der Fed nicht ihr letzter gewesen ist."

Bernd Weidensteiner, Ökonom Commerzbank:

"Nun wird man erst einmal abwarten, ob die heutige Zinssenkung die Märkte tatsächlich stabilisiert. Da auch in den USA die Infektionen mit dem Cornovirus zunehmen, ist ein rasches Ende der negativen Einflüsse aber nicht zu erwarten. Falls erforderlich wird die Fed nachlegen. Die Fed wird ihre 'Munition', also den verbleibenden Zinssenkungsspielraum, bei Bedarf aggressiv nutzen. Dort herrscht wohl die Ansicht, dass Zurückhaltung wenig Zweck hat, da frühzeitige Maßnahmen größeren Erfolg versprechen als zu langes Abwarten."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank:

"Die Zinssenkung firmiert unter der Rubrik 'Grippeschutzimpfung'. Bevor die Finanzmärkte und die US-Wirtschaft größeren Schaden nehmen, schreitet die Fed ein. Die Fed verpasst der US-Wirtschaft eine Impfung. Das ist gut so, zeugt es doch von einem energischem Vorgehen gegenüber etwaigen schärferen Konjunkturrisiken. Weitere Zinssenkungen könnten folgen."

Tobias Basse, Analyst NordLB:

"Die US-Notenbank hat heute mit einer vom Timing her sehr überraschenden Leitzinssenkung auf die Coronavirus-Epidemie reagiert. Das obere Band des Zinskorridors der Fed Funds Target Rate liegt damit nur noch bei 1,25 Prozent. Die Zentralbank in Washington sieht sich offensichtlich immer stärker in der Rolle eines globalen Risikomanagers. Die nun ergriffene geldpolitische Maßnahme erhöht unserer Auffassung nach aber auch die Gefahr, dass es perspektivisch zu einer Spekulationsblase bei den US-Hauspreisen kommen könnte."