Öffentliches Leben in Deutschland kommt wegen Coronavirus weitgehend zum Stillstand

Leere Plätze am Berliner Alexanderplatz

Das Coronavirus bringt das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen. Zahlreiche Einrichtungen und Geschäfte müssen ihre Pforten schließen, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag nach Beratungen mit den Ländern sagte. Ausgenommen sind unter anderem Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Drogerien sowie Tankstellen, Banken, Poststellen und der Großhandel. Merkel appellierte an die Bürger, die Auflagen einzuhalten. "Wir kommen desto schneller durch diese Phase hindurch, je mehr sich jeder Einzelne an diese Maßnahmen hält."

Offen bleiben sollen auch Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Sanitätshäuser, Frisöre, Reinigungen, Waschsalons, der Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte und der Großhandel. Für die offenen Geschäfte soll das Sonntagsverkaufsverbot bis auf weiteres ausgesetzt werden. Dienstleister und Handwerker können ihrer Tätigkeit weiterhin nachgehen.

Dort, wo Geschäfte geöffnet bleiben sollen, wird es Merkel zufolge Hygieneauflagen und einen gesteuerten Zutritt geben. Warteschlangen sollen vermieden werden.

Hingegen sollen überall Einrichtungen wie Bars, Clubs und Kneipen, Theater, Opernhäuser und Museen sowie Spielbanken, Bordelle und Sportanlagen zugemacht werden. Das gilt auch für Spielplätze.

Restaurants und Speisegaststätten dürfen frühestens ab sechs Uhr morgens aufmachen und müssen spätestens um 18.00 Uhr wieder schließen.

Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen, Synagogen und in Einrichtungen anderer Glaubensgemeinschaften sollen der Verabredung zufolge ebenso untersagt werden wie die Wahrnehmung von Angeboten in Volkshochschulen, Musikschulen und sonstigen Bildungseinrichtungen. Auch Reisen mit dem Reisebus werden untersagt.

Für Krankenhäuser und Pflegeheime soll es neue Besuchsregelungen geben. So könne Besuch nur noch einmal am Tag für eine Stunde gestattet werden. Für Einrichtungen des Gesundheitsdienstes sowie für Universitäten, Schulen und Kindergärten - wenn sie nicht ohnehin geschlossen sind - soll es zudem ein "generelles Betretungsverbot" geben für Menschen, die sich in den vorangegangenen 14 Tagen in Risikogebieten im Ausland oder besonders betroffenen Regionen im Inland aufgehalten haben.

Die konkreten Regelungen müssen nun Länder und Kommunen umsetzen. "Wir brauchen einschneidende Maßnahmen, um das Infektionsgeschehen zu verlangsamen." Gegen Infektionen sei "die wirksamste Maßnahme das Erhöhen der Distanz" zwischen den Menschen, sagte Merkel. Es gehe daher um "das Verringern von sozialen Kontakten", zugleich aber darum, "das Wirtschaftsleben so weit wie möglich zu erhalten".

Zu den in Europa eingeführten Grenzkontrollen sagte die Kanzlerin: "Es hat sich schon gezeigt, dass die Koordination nicht immer so funktioniert wie man sich das gewünscht hätte."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Deutschen zu Verantwortungsbewusstsein auf. Er bitte "uns alle: Seien wir vernünftig, seien wir solidarisch", sagte Steinmeier in einer Videobotschaft. "Wir müssen jetzt unseren Alltag ändern - jede und jeder Einzelne."

"Ihre Selbstbeschränkung heute wird morgen Leben retten", sagte Steinmeier. Er zeigte sich zugleich überzeugt, dass sich das Virus nur durch die gesamte Weltgemeinschaft besiegen lasse. "Wir müssen jetzt als Europäer zusammenhalten - wir haben es in der Hand, ob Solidarität nach innen und nach außen die Oberhand gewinnt oder der Egoismus des Jeder-für-sich."