Öffentlicher Aufruf von Experten stellt sich hinter IG-Metall-Forderungen

Neue Tarifrunde in der Metallindustrie

Eine Reihe von Wirtschaftsexperten und Geisteswissenschaftlern hat sich in einem öffentlichen Aufruf hinter die IG-Metall-Forderung nach reduzierten Arbeitszeiten mit Lohnausgleich gestellt. Die Forderung der Gewerkschaft sei nicht nur aus Gründen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie vernünftig, zitierte die "Frankfurter Rundschau" am Samstag aus dem Papier. "Sie kann auch zur Entlastung des Arbeitsmarktes beitragen."

Insgesamt unterzeichneten 60 Experten den Aufruf, darunter der Armutsforscher Christoph Butterwegge, mehrere Soziologen und Ökonomen sowie Kulturschaffende wie der Musiker Konstantin Wecker. Infolge von Digitalisierung und Produktivitätssteigerung drohe eine "neue Welle von Massenentlassungen", warnten die Unterzeichner. Insofern sei eine flächendeckende und dauerhafte Verkürzung der Regelarbeitszeit eine "sozial- wie arbeitsmarktpolitische Maßnahme ersten Ranges".

Jede Arbeitszeitreduzierung müsse aber an einen entsprechenden Personalausgleich gekoppelt werden, damit die Arbeitsbelastung für die Beschäftigten insgesamt nicht ansteige, forderten Butterwegge und die Mitunterzeichner. Außerdem müsse "jede Arbeitszeitverkürzung" mit einem vollen Lohnausgleich verbunden werden.

Den Unternehmen mangele es dafür nicht an den finanziellen Mitteln, "sie schwimmen sogar im Geld", heißt es in dem Aufruf, über den die "FR" berichtete. Allerdings werde das Geld zu Spekulationszwecken in den Finanzsektor investiert. Die Experten forderten die Bundesregierung und die Parteien dazu auf, die Initiative der IG Metall "uneingeschränkt zu unterstützen".

Der Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie ist derzeit festgefahren, seit einigen Tagen laufen ganztägige Warnstreiks der IG Metall, nachdem es zuvor zeitweilige Arbeitsniederlegungen gegeben hatte. Die Gewerkschaft fordert neben einem deutlichen Lohnplus ein befristetes Recht auf die 28-Stunden-Woche sowie einen Lohnausgleich für bestimmte Beschäftigte - mit Letzterem eckt sie bei den Arbeitgebern bislang an.

Über eine mögliche Annäherung soll nun voraussichtlich nach dem Wochenende wieder verhandelt werden. So könnten nach Angaben der IG Metall die Gespräche im Pilotbezirk Baden-Württemberg am Montagvormittag wieder aufgenommen werden. Bedingung dafür sei aber eine Bewegung von der Gegenseite, hieß es zuletzt.