Ärztekammer: Bei Priorisierung gilt Gleichwertigkeit jedes Lebens

BERLIN (dpa-AFX) - Die Bundesärztekammer hat die Gleichwertigkeit jedes Menschenlebens betont, falls es zur Priorisierung von Patienten in der Corona-Krise kommen muss. Es verböten sich Benachteiligungen zum Beispiel aufgrund von Alter, Geschlecht, Nationalität, Behinderung oder sozialem Status, heißt es in einer am Dienstag vorgestellten "Orientierungshilfe". Auch chronische Erkrankungen wie Demenz dürften nicht zu einem pauschalen Ausschluss von nötiger Behandlung führen. Für den Fall knapper Ressourcen müssten vielmehr die medizinische Indikation, der Patientenwille und die klinischen Erfolgsaussichten zentrale Kriterien für Entscheidungen von Ärzten sein.

In der Corona-Krise wird über eine Priorisierung diskutiert, falls steigende Zahlen schwerkranker Patienten kämen und zum Beispiel Beatmungsgeräte knapp werden könnten. Dann müssten die Ressourcen an Patienten verteilt werden. Ärztepräsident Klaus Reinhardt sagte, das Gesundheitssystem in Deutschland sei zum jetzigen Zeitpunkt weit von einer Überlastung entfernt. Dennoch gelte es, auf eine mögliche zweite Welle vorbereitet zu sein. Dazu gehöre auch, Ärztinnen und Ärzten wichtige rechtliche und ethische Orientierungshilfen zu geben.