Ärzte ohne Grenzen wirft Grenzpolizisten Gewalt gegen Flüchtlinge vor

Flüchtlinge an der serbisch-ungarischen Grenze

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wirft kroatischen, ungarischen und bulgarischen Grenzpolizisten Gewalt gegen Flüchtlinge vor, insbesondere gegen Minderjährige. Der Einsatz von Gewalt, um geflüchtete Kinder und Jugendliche an der Weiterreise von Serbien in die Europäische Union (EU) zu hindern, sei gängige Praxis, hieß es in einer am Donnerstag in Belgrad veröffentlichten Erklärung der Organisation. Überwiegend gehe diese Gewalt von Grenzpolizisten aus den EU-Mitgliedstaaten Kroatien, Ungarn und Bulgarien aus.

In dem Bericht beruft sich Ärzte ohne Grenzen auf Schilderungen von jungen Flüchtlingen, die in den mobilen Krankenstationen der Hilfsorganisation behandelt wurden. In der ersten Hälfte des Jahres 2017 berichteten demnach neun von zehn Patienten, sie hätten physische Gewalt durch kroatische, ungarische oder bulgarische Grenzpolizisten erlitten. Knapp die Hälfte der Vorfälle beziehe sich auf bulgarische Beamte.

"Seit mehr als einem Jahr hören unsere Ärzte und Krankenschwestern immer wieder dieselben Geschichten von Jugendlichen, die geschlagen, erniedrigt und von Hunden angegriffen werden, einfach nur, weil sie verzweifelt ihren Weg fortsetzen wollen", berichtete Stéphane Moissaing, der Leiter von Ärzte ohne Grenzen in Serbien. Es sei "eine Schande", dass Mitgliedstaaten der EU "vorsätzlich Gewalt einsetzen, um Kinder und Jugendliche daran zu hindern, in der EU um Asyl zu bitten".

Die Gewalt durch die Grenzbeamten führe zu "ernstzunehmenden physischen und psychischen Schäden" und treibe Heranwachsende in die Arme krimineller Schlepper, erklärte er weiter. Hunderttausende Flüchtlinge aus Krisengebieten im Nahen Osten und Nordafrika versuchten in den vergangenen Jahren, über die Balkanroute in die EU zu gelangen. Seit deren Schließung im März 2016 sitzen tausende Menschen in Serbien fest.