Ärger um Puma-Panzer: Hersteller Kraus-Maffei droht drei Bundesländern mit Stellenabbau und Investitions-Stopp

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Ein Puma-Panzer im Einsatz bei einer Bundeswehr-Übung im Jahr 2017
Ein Puma-Panzer im Einsatz bei einer Bundeswehr-Übung im Jahr 2017

Weil die Bundesregierung in ihrer Haushaltsplanung weniger Geld für die Anschaffung und Ausrüstung von Schützenpanzern des Typs Puma bereitstellt, droht dessen Herstellerfirma Kraus-Maffei Wegmann (KMW) mit Stellenabbau und dem Stopp geplanter Investitionen.

Business Insider liegen drei Briefe des KMW-Chefs Ralf Ketzel vor. Adressiert sind sie an Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), Hessens Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) und Saarlands Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU). Die Briefe sind nahezu gleich formuliert, nur spezifische Details sind dem Adressaten angepasst.

KMW droht mit dem Abbau von 1200 Stellen in Bayern, Hessen und dem Saarland

Ketzel bemängelt, dass in den Haushaltsverhandlungen für 2021 "weder die Nachrüstung des 1. Loses Puma ausreichend finanziert, noch Haushaltsmittel für das 2. Los Puma bereitgestellt" worden seien. Tatsächlich sind die für die Ausrüstung und Beschaffung von Puma-Panzern bereitgestellten Haushaltsmittel in den vergangenen Jahren immer geringer geworden. Ursprünglich war einst angedacht, 1152 Pumas zu beschaffen — die Zahl reduzierte sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten jedoch deutlich auf einige Hundert. Zuletzt wurde bekannt, dass eine bereits auf das Jahr 2022 verschobene Bestellung von 220 Fahrzeugen komplett gestrichen werden könnte.

Ohne einen "politischen Impuls" drohe deshalb eine "Phase der Unsicherheit", in der "Produktions- und Lieferketten nicht aufrechterhalten werden" könnten, schreibt Ketzel an die Ministerpräsidenten. Schließlich sehe sich die "Landsystemindustrie" — also die Panzer und andere Fahrzeuge herstellende Rüstungsindustrie — "in Folge der Corona-Pandemie ohnehin einer prekären Auftrags- und Finanzlage gegenüber."

"Ohne eine klare Beschaffungsentscheidung für das 2. Los Puma muss auch KMW als Systemhaus Standorte in Bayern, in Hessen und im Saarland um insgesamt mindestens 1200 Mitarbeiter reduzieren", schreibt Ketzel. Einem Großteil dieser Beschäftigten drohe letztlich die Arbeitslosigkeit.

KMW sieht Investitionen in zweifacher Millionenhöhe gefährdet

Weiterhin schreibt der KMW-CEO von Investitionen in Millionenhöhe, die auszufallen drohten. Am Standort Kassel in Hessen könnten so Investitionen von 22 Millionen Euro in Fertigungshallen sowie jährliche Regelinvestitionen von rund 15 Millionen Euro wegfallen. Für den Standort Freisen im Saarland schreibt Ketzel von ausfallenden 12 Millionen Euro in Fertigungshallen und ebenfalls rund 15 Millionen Euro jährlich ausfallenden Regelinvestitionen. Auch in Bayern könnten "Investitionen in Millionenhöhe" ausfallen, schreibt Ketzel an Söder.

Zudem könnten den Standort-Gemeinden jährlich Millionen Euro an Gewerbesteuer verloren gehen, so der Rüstungsunternehmer — für Freisen im Saarland etwa rechnet er mit "rund 15 Millionen Euro". Nur mit einer "positiven Beschaffungsentscheidung" über die Puma-Panzer könne dieser wirtschaftliche Schaden abgewendet werden, schreibt Ketzel: Daher bitte ich Sie, bei der Bundesverteidigungsministerin, dem Bundesfinanzminister und den Fachpolitikern lhrer Partei für einen notwendigen Einstieg in die Beschaffung des 2. Loses Puma noch vor dem Ende der Legislaturperiode zu werben."

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