Ärger in Frankreich wegen Ladenschließungen und Verkaufsverboten

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PARIS (dpa-AFX) In Frankreich sorgt die Schließung des Einzelhandels während der strengen Ausgangsbeschränkungen im Kampf gegen Corona weiter für Ärger. In der schwersten Gesundheitskrise seit Jahrzehnten dürften Bürgermeister nicht dazu aufgerufen werden, die Gesetze der Republik zu verletzen, monierte Premier Jean Castex am Dienstag in der Pariser Nationalversammlung.

Er spielte dabei darauf an, dass einige Bürgermeister im Land die von der Regierung verordnete Schließung des Einzelhandels nicht akzeptieren wollen. Die Ausgangsbeschränkungen dienten dazu, dass ein Maximum der Menschen zu Hause bleibe, um die Verbreitung des Virus einzudämmen, sagte Castex.

Die Regierung hatte auf den Ärger des Einzelhandels über die Schließung am Wochenende reagiert. Doch statt die Läden wieder zu öffnen, hatte sie großen Supermärkten verboten, nicht lebensnotwendige Produkte wie Bücher, Textilien, Möbel, Dekoartikel oder Schmuck zu verkaufen. Die neue Regel, mit der ein Ausgleich zwischen Einzel- und Großhandel geschaffen werden soll, soll nun vollständig ab Mittwoch in Kraft treten.

Neben Lebensmitteln, Presseprodukten und anderen Artikeln wie Tierfutter gelten einem Dekret der Regierung zufolge auch Toilettenartikel, Hygiene-, Reinigungs- und Kinderpflegeprodukte als lebensnotwendig und dürfen somit weiter in Supermärkten verkauft werden.

Die Regierung ermutigt Einzelhändler nun, ein Online-Bestellsystem für ihre Produkte einzuführen und Kundinnen und Kunden so die Möglichkeit zu bieten, ihre Einkäufe beim Händler ihres Vertrauens im Netz zu erledigen. "Wir müssen aufhören zu versuchen, alles online zu erledigen, nichts geht über die menschlichen Beziehungen", kritisierte der Präsident der Vereinigung kleiner Unternehmen, Jean-François Ferrando, in der Zeitung "Le Figaro" den Aufruf. Viele fürchten, dass am Ende lediglich große Online-Händler wie Amazon <US0231351067> von den Maßnahmen profitieren.