Ärger und Empörung: Das sagen Autofahrer in Köln und der Region zum Diesel-Skandal

Nicht wenige Dieselfahrer streben juristische Schritte gegen die Hersteller an.

Werner Schmitz findet klare Worte. „Veräppeln“ ist eines davon, „Betrug“ ein anderes. Vor sechs Jahren hat der Programmierer aus Brühl einen VW Tiguan direkt ab Werk in Wolfsburg gekauft. Schwarz, schnittig, Allradantrieb.

Jetzt will er „den Stinker“ nur noch so schnell wie möglich loswerden. Vor zehn Tagen hat Schmitz, dessen Name ein anderer ist, Klage gegen den VW-Konzern eingereicht. Obwohl er keine Rechtsschutzversicherung hat. Obwohl er „dieses Auto einmal richtig gemocht hat“. Und obwohl er, „wenn es ganz dumm läuft“, nicht nur eine „Karre“, die keiner haben will, am Hals hat, sondern auch noch ein paar Tausend Euro Rechtsanwaltskosten.

Zum wirtschaftlichen komme der ideelle Schaden. „Ich dachte, dass ich ein relativ sauberes Auto kaufe. Jetzt muss ich feststellen, dass ich wissentlich betrogen worden bin. Es ärgert mich ungemein, von diesem Konzern dermaßen vorgeführt zu werden.“

Großkanzleien werben um Dieselopfer

Schmitz ist nicht der einzige, dem der Frust über den Autokonzern seines Vertrauens und den enttäuschenden Ausgang des „Dieselgipfels“ ins Gesicht geschrieben steht. Bei Volkswagen, Daimler und Porsche sind bereits vor Wochen die ersten Klagen aufgebrachter Autobesitzer eingegangen. In ganz Deutschland werben Großkanzleien auf eilig eingerichteten Seiten wie „www.dieseljoker.de“ oder „www.vw-schaden.de“ um Dieselopfer.

„Wir unterstützen Sie sofort und zuverlässig bei Fragen rund um den Abgasskandal und den CO2 -Skandal und dessen Folgen für Autokäufer von VW, Seat, Audi, Skoda“, verspricht etwa die Kanzlei „Dr. Stoll und Sauer“ aus Lahr . Sie vertritt nach eigenen Angaben bereits rund 35 000 Geschädigte in 3200 laufenden Klageverfahren.

Knapp die Hälfte des Kaufpreises zurückbekommen

Werner Schmitz wird im Kampf gegen VW seine „vertraglichen Gewährleistungsansprüche“ geltend machen und den Vertrag rückabwickeln. Sprich: Er wird auf die Ausübung seines vertraglich verbrieften Rücktrittsrechts bestehen. Das bedeute, erläutert er, dass er den Kaufpreis von 34 000 Euro zurückbekomme, allerdings unter Anrechnung einer Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer. „Grob gerechnet könnte ich die Hälfte des Kaufpreises zurückbekommen.“

Eine Rechnung, die auch Werner Müller aufgemacht und die ihm nicht gefallen hat. Der Produktionsleiter hat im vergangenen Jahr bei einem großen Kölner Autohändler einen gebrauchten Passat gekauft, „einen mit diesen Drecksmotoren“.

Anderer Weg: Volkswagenbank verklagen

Finanziert hat er den Wagen, den er für die tägliche Fahrt zu seiner Arbeitsstelle braucht, zum Teil über die Volkswagenbank. Und genau die will er jetzt verklagen. „Ich habe gewartet bis nach dem Gipfel, aber der war ja eher die reine Farce. Was soll ich mit einem Auto, mit dem ich womöglich nicht mehr in die Innenstadt fahren darf?“ Jetzt müsse nur noch geklärt werden, ob die Rechtsschutzversicherung die Prozesskosten übernimmt.

Der 37-Jährige will einen anderen Weg gehen als Schmitz. „Ich werde den Vertrag mit der Bank widerrufen. Falls ich gewinne, bekomme ich die komplette Summe zurück und nicht nur einen Teil davon.“ Am kommenden Montag will er die Klage einreichen. Und anfangen, über den Kauf eines neuen Autos nachzudenken. Ein Diesel soll es nicht sein.

Das sagen Betroffene

Hans Königsfeld, Taxifahrer aus Köln

„Wenn ich Unternehmer wäre, würde ich die Autoindustrie verklagen. Ich fühle mich von den Politikern komplett betrogen. Auf der Arbeit fahre ich ja auch einen Diesel, aber privat zum Glück einen Benziner. Es geht, wie immer, alles zu Lasten des kleinen Mannes.“

Jens-Uwe Füllgraf, Bergisch Gladbach

„Eine Schadstoffreduzierung durch Software-Updates halte ich für unrealistisch. Ich habe nicht das Gefühl, in einer Dreckschleuder zu sitzen. Immer wird über die Autofahrer hergezogen. Dabei stoßen Flugzeuge weit mehr Schadstoffe aus. Darüber wird selten gesprochen.“

Dietmar Bauer, Nümbrecht (Oberberg)

„Das ist Betrug am Kunden, die Autoindustrie muss ehrlicher werden. Besorgt bin ich wegen meines Enkelkinds und der hohen Feinstaubwerte in Stuttgart. Ob der Diesel-Gipfel was gebracht hat? Ich glaube, eher nicht.“

Brigitte Bremer, Leverkusen

„Am besten wäre es, wenn die Autohersteller für alles aufkommen. Aus den Gesprächen zwischen den Autobauern und Politik wird nichts rauskommen. Ich glaube nicht, dass sie die Autos umweltfreundlicher machen werden.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta