Die älteren Wähler bekommen ein immer stärkeres Gewicht in Deutschland

Älter Wähler bekomme stärkeres Gewicht in Deutschland

Ältere Wähler haben einen deutlich größeren Einfluss auf den Ausgang der Bundestagswahl gehabt als jüngere Wähler. Neben der demographischen Entwicklung trug dazu auch die Wahlbeteiligung bei, die bei den 18- bis 39-Jährigen spürbar niedriger war, wie aus der am Freitag vom Bundeswahlleiter vorgestellten repräsentativen Wahlstatistik hervor geht. Derzufolge wurde zudem noch nie zuvor so taktisch gewählt, es gab einen Rekordstand beim Stimmensplitting.

Laut Bundeswahlleiter Georg Thiel steigt der Einfluss der älteren Wähler aus mehreren Gründen: Zum einen beteiligen sich die 18- bis 39-Jährigen nur unterdurchschnittlich an der Wahl, zum anderen gehen die über 70-Jährigen häufiger als früher wählen. Schließlich wird die Bevölkerung auch insgesamt älter. So war 1990 gut jeder Vierte Wähler (27 Prozent) 60 Jahre und älter, im vergangenen September aber schon mehr als jeder Dritte (36 Prozent).

Die rechtspopulistische AfD konnte bei ihrem ersten Einzug in den Bundestag vor allem von den 25- bis 69-Jährigen profitieren, wo sie relativ konstant zwischen 12,8 Prozent bis 15,4 Prozent und damit über ihrem Wahlergebnis von 12,6 Prozent lag. Bei den jüngsten Wählern und den ältesten Wählern schnitt die AfD dagegen mit um die acht Prozent deutlich schlechter ab. Außerdem wählten mit 16,3 Prozent wesentlich mehr Männer die AfD als Frauen. Von diesen stimmten 9,2 Prozent für die AfD.

Vom taktischen Wählen durch die Vergabe der Erst- und Zweitstimme an verschiedene Parteien machten derweil 27,3 Prozent der Wähler Gebrauch. "Damit haben so viele Wählerinnen und Wähler wie noch nie bei der Vergabe von Erst- und Zweitstimme eine unterschiedliche Wahlentscheidung getroffen", erklärte Thiel. Der vorherige Höchststand waren 26,4 Prozent bei der Bundestagswahl 2009, noch 1990 hatten lediglich 15,6 Prozent taktisch gewählt.

Das Stimmensplitting nutzten demnach Wähler, die mit ihrer Zweitstimme FDP wählten, besonders ausgeprägt. 56,4 Prozent gaben ihre Erststimme einem Direktkandidaten einer anderen Partei, bevorzugt von der CDU. Dagegen nutzten Zweitstimmenwähler von CDU, CSU und SPD das Stimmensplitting wesentlich zurückhaltender. So wählten bei der CSU 87,3 Prozent mit der Erst- und Zweitstimme die Christsozialen.

Der Bundeswahlleiter stützt diese Statistik auf das tatsächliche Wahlverhalten. Dafür wurden von der vergangenen Bundestagswahl 2250 Stichprobenwahlbezirken und 500 Briefwahlbezirke ausgewählt, womit die Stichprobe insgesamt 2,2 Millionen Wahlberechtigte umfasste.