Ägyptens Ex-Präsident Mursi unter "unmenschlichen" Bedingungen im Gefängnis

Ex-Präsident Mohammed Mursi in Haft

Der zu einer jahrzehntelangen Haftstrafe verurteilte ägyptische Ex-Präsident Mohammed Mursi hat einer britischen Untersuchungskommission zufolge unter lebensbedrohlichen Haftbedingungen zu leiden. Der 2013 von der Armee gestürzte Mursi befinde sich 23 Stunden am Tag in Isolationshaft, hieß es in dem am Mittwoch im Londoner Parlament vorgestellten Report. Die Haftbedingungen könnten demnach Folter und grausamer, unmenschlicher oder entwürdigender Behandlung gleichkommen.

Die Kommission prangerte in ihrem Report Verstöße gegen internationale Standards an. Der 66-jährige Mursi sei Diabetiker und nierenkrank. "Bei seinem Gesundheitszustand könnte die Verweigerung einer grundlegenden medizinischer Behandlung, auf die er Anspruch hat, zum vorzeitigen Tod führen", sagte der Vorsitzende der Kommission, der britische Abgeordnete Crispin Blunt, vor dem Parlament.

Laut Blunt könne die "gesamte Befehlskette bis zum derzeitigen Präsidenten" für die Haftbedingungen Mursis verantwortlich gemacht werden. Die Kommission erstellte den Report nach eigenen Angaben auf der Basis von "verfügbaren Zeugenaussagen". Ein Besuch im Gefängnis sei ihr verwehrt worden.

Der Sohn des Ex-Präsidenten, Abdullah Mursi, forderte ein Besuchsrecht für die Familie und die medizinische Versorgung des 66-Jährigen.

Der mit der Muslimbruderschaft verbundene Mursi war seit 2012 der erste demokratisch gewählte Staatschef Ägyptens. Nach nur einem Jahr im Amt wurde er von der Armee gestürzt und inhaftiert. In zwei Prozessen wurde er zu insgesamt 45 Jahren Gefängnis verurteilt.

Nach Mursis Absetzung durch das Militär kam der heutige Staatschef Abdel Fattah al-Sisi an die Macht, der zuvor Mursis Armeechef war. Er geht hart gegen die mittlerweile verbotene Muslimbruderschaft vor.