Ägypten will mit Salah ersten WM-Sieg - Gerüchte um Rücktrittsgedanken

Ägypten will mit Salah ersten WM-Sieg - Gerüchte um Rücktrittsgedanken

Keine Schonung für Topstar Mohamed Salah, keine Einsatzgarantie für Rekordanwärter Essam El Hadary: Auf der Jagd nach dem ersten WM-Sieg der Geschichte gibt es bei Ägypten offenbar keine Rücksicht auf Einzelschicksale. Obwohl das Land vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien am Montag (16.00 Uhr/ZDFinfo) in Wolgograd wie der Gegner keine Chance mehr auf das Weiterkommen hat. 
Zwar gab Nationaltrainer Hector Cuper keine konkreten Hinweise auf seine mögliche Aufstellung, nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP wird der angeschlagene Salah allerdings gegen Saudi-Arabien auflaufen. Auch er will mithelfen, Historisches zu leisten: Bei den bisherigen Endrundenteilnahmen 1934 und 1990 schafften die Pharaonen keinen Sieg.
Am Sonntagnachmittag berichteten CNN und ESPN unter Berufung auf anonyme Quellen allerdings übereinstimmend, dass Salah wegen der Vereinnahmung durch den umstrittenen tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow über einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft nach der WM nachdenke. Salah wolle nach CNN-Angaben nicht Teil politischer Ränkespiele werden. 
Ägypten hatte während der WM sein Teamquartier zum Entsetzen von Menschenrechtsorganisationen in Tschetscheniens Hauptstadt Grosny aufgeschlagen. Kadyrow, dem Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, hatte während des Aufenthalts die Nähe Salahs gesucht und ihn unter anderem zum Ehrenbürger Tschetscheniens ernannt. 
"Ich weiß nicht, ob Salah populistisch ausgenutzt wurde", hatte Cuper zuvor am Sonntag erklärt: "Die FIFA hat uns einige Möglichkeiten angeboten, und wir haben Grosny gewählt. Das ist alles." Einen Einfluss auf einen Einsatz am Montag sollen die angeblichen Rücktrittsgedanken aber nicht haben.
Salahs Liverpooler Teammanager Jürgen Klopp hat zumindest nichts gegen ein Auflaufen seines Superstars. Zumindest offiziell. Ägyptens Verbandspräsident Hany Abo Rida bestätigte, dass Liverpool keinerlei Druck ausgeübt habe, Salah angesichts der fehlenden Chancen auf das Weiterkommen zu schonen. "Wir haben von Liverpool keine Nachricht bekommen. Wenn der Spieler beim Nationalteam ist, entscheiden wir", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.
Salah hatte sich im Champions-League-Finale gegen Real Madrid am 26. Mai eine Schulterverletzung zugezogen und deswegen auch das erste WM-Spiel gegen Uruguay (0:1) verpasst. Bei der 1:3-Niederlage gegen Gastgeber Russland stand er in der Startelf und erzielte das Tor für Ägypten.
Offen ist noch, ob Ägyptens Torwart-Idol Essam El Hadary am Montag Geschichte schreibt. Mit einem Einsatz würde er mit 45 Jahren und 161 Tagen zum ältesten WM-Spieler der Geschichte avancieren. Bisher hält der Kolumbianer und ehemalige Kölner Faryd Mondragon mit 43 Jahren und drei Tagen die Rekordmarke. El Hadary spielt seit 1996 für die ägyptische Auswahl, gewann viermal den Afrika-Cup und absolvierte bisher 158 Länderspiele.
"Ich wäre sehr glücklich, wenn ich spiele, aber ich weiß es nicht. Das wird das Management entschieden", sagte El Hadary am Sonntag: "Jeder Spieler will Rekorde setzen. Speziell bei einer WM. Dieser Rekord ist nicht nur für mich, es wäre auch ein Rekord für Ägypten."